
Smishing: Betrugs-SMS von DHL, Bank und Maut erkennen
Smishing ist Phishing per SMS: Eine kurze Nachricht über ein Paket, eine Kontosperrung oder eine Maut-Nachzahlung führt auf eine gefälschte Seite. Hier lesen Sie, wie Sie die Betrugs-SMS erkennen und was nach einem Klick zu tun ist.
Von der Betrugs-Checker-Redaktion · Aktualisiert:
Das Wichtigste in Kürze
- Smishing = Phishing per SMS. Die häufigsten Vorwände: Paketzustellung, Zollgebühr, Kontosperrung, Maut, Bußgeld, Deutschlandticket.
- Paketdienste, Banken und Behörden schicken keine SMS mit Links zu Zahlungs- oder Login-Seiten.
- Absendernummer und Anzeigename lassen sich fälschen – auch eine SMS im echten DHL-Verlauf kann gefälscht sein.
- Nie über den SMS-Link handeln: App öffnen oder Adresse selbst eintippen.
- Link geöffnet und Daten eingegeben? Karte sperren (116 116), Bank anrufen, Passwörter ändern, Anzeige erstatten.
Was ist Smishing?
Smishing setzt sich aus „SMS“ und „Phishing“ zusammen. Sie erhalten eine Kurznachricht, die von einem Paketdienst, Ihrer Bank, einer Behörde oder einem Verkehrsverbund zu kommen scheint. Ein Link soll ein Problem lösen: die Zustellung freischalten, eine kleine Gebühr zahlen, das Konto entsperren. Die Zielseite ist eine Fälschung, die Kartendaten oder Zugangsdaten abgreift – oder eine App zum Download anbietet, die Ihr Smartphone ausspioniert.
SMS sind für Täter besonders attraktiv: Die Nachricht ist kurz, der Link lässt sich nicht per Maus prüfen, und viele Menschen erledigen alles unterwegs mit einem Fingertipp. Hinzu kommt, dass Absendername und -nummer bei SMS technisch gefälscht werden können. Eine Smishing-SMS kann deshalb im selben Chat-Verlauf erscheinen wie echte Nachrichten von DHL oder Ihrer Bank.

Die häufigsten Smishing-Maschen – mit Beispielen
Paket-SMS: „Zustellung fehlgeschlagen“ und „Zollgebühr“
„DHL: Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Bitte bestätigen Sie Ihre Adresse: dhl-zustellung-24.info/de“
„Ihre Sendung wartet beim Zoll. Offene Gebühr: 1,99 €. Jetzt bezahlen, sonst geht das Paket zurück.“
Die Masche funktioniert, weil fast jeder gerade irgendetwas bestellt hat. Die „Gebühr“ ist bewusst winzig – es geht nicht um die 1,99 €, sondern um die vollständigen Kartendaten. Echte Paketdienste verlangen Zollgebühren nie per SMS-Link; der Zoll selbst schreibt Briefe. Mehr zu dieser Variante unter Paketbenachrichtigung prüfen.
Bank-SMS: „Ihre pushTAN läuft ab“, „Konto eingeschränkt“
„Sparkasse: Ihr Zugang wurde aus Sicherheitsgründen eingeschränkt. Reaktivieren Sie ihn hier: sparkasse-sicher.de-login.com“
Oft folgt nach der Eingabe der Daten ein Anruf eines angeblichen Bankmitarbeiters, der Sie zur Freigabe einer TAN drängt – damit wird die Überweisung der Täter bestätigt. Prüfen Sie Bank-SMS unter Bank-Mail prüfen oder direkt im SMS-Check.
Maut- und Bußgeld-SMS
„Autobahn-Maut: Nachzahlung von 4,80 € offen. Vermeiden Sie ein Bußgeld von 60 €: maut-zahlung.eu“
In Deutschland gibt es keine Pkw-Maut. Die SMS spielen mit Auslandsreisen (Österreich, Italien, Frankreich) oder behaupten pauschal eine „Nachzahlung“. Ausführlich im Ratgeber Maut-SMS-Betrug.
Deutschlandticket, Klimabonus, Rundfunkbeitrag
Wellen dieser Art kommen und gehen: „Ihr Deutschlandticket wird gekündigt – Zahlungsmethode aktualisieren“, „Klimabonus beantragen“, „Rundfunkbeitrag: Rückerstattung“. Die aktuellen Wellen finden Sie laufend unter Aktuelle Betrugswarnungen.
„Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“
Diese Nachricht will nicht auf eine Seite locken, sondern ein Gespräch eröffnen, das mit einer Überweisungsbitte endet. Sie wird per SMS und WhatsApp verschickt – Details unter WhatsApp-Betrug.
Schadsoftware per SMS: „Sprachnachricht“ oder „Paket-App“
„Sie haben eine neue Sprachnachricht. Zum Anhören App installieren.“
Der Link führt zu einer APK-Datei (Android). Die installierte App liest SMS mit – inklusive TANs – und verschickt sich selbst an alle Kontakte. Installieren Sie Apps nur aus dem offiziellen Store.
So erkennen Sie eine Betrugs-SMS in fünf Sekunden
- Enthält die SMS einen Link, über den Sie etwas bezahlen, eingeben oder installieren sollen? Dann ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Smishing. Seriöse Absender verweisen auf die App oder auf ein Schreiben.
- Passt die Domain zur Marke? Lesen Sie die Adresse von rechts: „dhl.de“ ist echt, „dhl-zustellung-24.info“ und „dhl.de.paket-status.com“ sind Fälschungen. Link-Verkürzer (bit.ly, t.ly) sind bei Banken und Paketdiensten unüblich.
- Erwarten Sie diese Nachricht? Kein Paket bestellt, kein Konto bei dieser Bank, kein Deutschlandticket – dann ist die Antwort klar.
- Wird Druck aufgebaut? „Heute noch“, „sonst Rücksendung“, „sonst Sperrung“, „sonst Bußgeld“.
- Ist die Nummer ungewöhnlich? Ausländische Vorwahlen (+44, +33, +1) oder wechselnde Mobilnummern sind ein Hinweis – eine bekannte Nummer beweist allerdings nichts, weil sie gefälscht sein kann.
Im Zweifel: SMS-Text kopieren und in den SMS-Check einfügen. Der Check prüft Link-Ziel, Domain-Alter und bekannte Betrugsmuster.
Warum Smishing funktioniert und wer dahintersteckt
Smishing-Wellen werden automatisiert versendet: Tausende Nachrichten pro Stunde an Nummernblöcke oder an Adressen aus Datenlecks. Die Täter brauchen keine hohe Trefferquote – wenn von 10.000 Empfängern 30 ihre Kartendaten eingeben, hat sich die Welle gelohnt. Die Zielseiten leben oft nur wenige Stunden und wechseln dann die Domain; deshalb schlagen Sicherheitsfilter häufig zu spät an.
Ein weiterer Faktor ist der Kontext: Wer gerade auf ein Paket wartet, liest „Zustellung fehlgeschlagen“ nicht als Warnzeichen, sondern als Ärgernis, das schnell erledigt werden soll. Genau diese Reflexhandlung nutzen die Täter. Der beste Schutz ist deshalb eine feste Regel: Aus einer SMS heraus nie bezahlen, nie einloggen, nie installieren.
Link geöffnet – was jetzt?
Nur den Link geöffnet
Auf iPhones und aktuellen Android-Geräten passiert durch das bloße Öffnen einer Seite in aller Regel nichts. Schließen Sie die Seite, löschen Sie die SMS und beobachten Sie, ob Anrufe oder weitere Nachrichten folgen.
Kartendaten eingegeben
- Karte sofort sperren: 116 116 (Sperr-Notruf, rund um die Uhr) oder über die Banking-App.
- Bank anrufen und den Vorfall schildern; um Rückbuchung unberechtigter Umsätze bitten.
- Umsätze in den nächsten Wochen kontrollieren – auch kleine Testbuchungen.
- Anzeige erstatten (Online-Wache); die Bank verlangt dafür oft die Vorgangsnummer.
Zugangsdaten eingegeben (Bank, PayPal, E-Mail, Apple/Google)
- Passwort sofort beim echten Anbieter ändern – über die App, nicht über Links.
- Zwei-Faktor-Authentisierung aktivieren oder neu einrichten.
- Kommt ein Anruf, der Sie zu einer TAN-Freigabe drängt: auflegen. Das ist der zweite Teil der Masche.
App installiert
- Flugmodus einschalten, damit die App keine SMS mehr verschickt.
- App über die Einstellungen deinstallieren; im Zweifel das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen.
- Mobilfunkanbieter informieren (mögliche Kosten durch versendete SMS) und Kontakte warnen.
- Von einem anderen Gerät aus alle wichtigen Passwörter ändern.
Sichern Sie die SMS vorher als Beweis (Screenshot mit Absender und Datum) – siehe Beweise sichern.
Betrugs-SMS melden und blockieren
- Bundesnetzagentur: Rufnummernmissbrauch (auch SMS) über das Verbraucherportal melden. Die Behörde kann Nummern abschalten lassen.
- Mobilfunkanbieter: Die meisten Anbieter haben eine Meldeadresse für Spam-SMS; auf dem iPhone können Sie unbekannte Absender filtern, auf Android im Messenger „Spam melden“ wählen.
- Nachgeahmter Anbieter: DHL, Ihre Bank oder der Verkehrsverbund veröffentlichen Warnungen und sperren Domains schneller, wenn sie Hinweise bekommen.
- Verbraucherzentrale: Der Phishing-Radar nimmt auch SMS-Screenshots entgegen.
Antworten Sie nie auf die SMS – auch nicht mit „STOP“. Eine Antwort bestätigt, dass die Nummer aktiv ist, und führt zu mehr Nachrichten.
Warnzeichen auf einen Blick
- SMS enthält einen Link, über den Sie zahlen, sich einloggen oder eine App installieren sollen
- Domain im Link passt nicht zur Marke (z. B. „dhl-zustellung-24.info“, „sparkasse-sicher.de-login.com“) oder ist ein Link-Verkürzer
- Angebliche Kleinstgebühr für Zoll, Versand oder Adressbestätigung
- Sie erwarten kein Paket, haben kein Konto bei der genannten Bank oder kein Abo bei diesem Anbieter
- Drohung mit Rücksendung, Kontosperrung, Bußgeld oder Kündigung – meist mit Frist von wenigen Stunden
- Ausländische Vorwahl oder wechselnde Mobilfunknummern als Absender
- Unpersönliche Ansprache oder fehlende Sendungsnummer, die Sie in der offiziellen App prüfen könnten
- Nach der Dateneingabe folgt ein Anruf, der Sie zu einer TAN-Freigabe drängt
- Angebliche Sprachnachricht oder Paket-App, die als Datei außerhalb des App-Stores installiert werden soll
So schützen Sie sich
- Handeln Sie nie aus einer SMS heraus: App öffnen oder Adresse selbst eintippen
- Sendungen nur in der offiziellen App oder mit der Sendungsnummer auf der echten Website verfolgen
- Installieren Sie Apps ausschließlich aus dem App Store oder Google Play – keine APK-Dateien aus SMS
- Aktivieren Sie den Spam-Filter für unbekannte Absender in Ihrem SMS-Programm
- Geben Sie niemals Kartendaten für angebliche Zoll- oder Versandgebühren per SMS-Link ein
- Nutzen Sie Zwei-Faktor-Authentisierung für Bank, PayPal und E-Mail – am besten per App statt per SMS
- Sprechen Sie mit Angehörigen, die viel online bestellen, über die Paket-Masche
- Prüfen Sie verdächtige Nachrichten mit dem kostenlosen SMS-Check, bevor Sie reagieren
Betroffen? Das sollten Sie jetzt tun
- Karte über 116 116 sperren und die Bank anrufen, wenn Sie Kartendaten eingegeben haben
- Passwort beim echten Anbieter ändern und Zwei-Faktor-Authentisierung neu einrichten, wenn Zugangsdaten betroffen sind
- Nach einer App-Installation: Flugmodus, App entfernen oder Gerät zurücksetzen, Mobilfunkanbieter und Kontakte informieren
- SMS als Screenshot sichern und Anzeige über die Online-Wache erstatten
- SMS bei der Bundesnetzagentur und beim nachgeahmten Anbieter melden
- Umsätze und Konten in den nächsten Wochen kontrollieren; unberechtigte Lastschriften zurückbuchen lassen
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Häufige Fragen
Was ist Smishing?
Smishing ist Phishing per SMS: Eine gefälschte Kurznachricht – meist von einem Paketdienst, einer Bank oder einer Behörde – führt über einen Link auf eine gefälschte Website, die Kartendaten oder Zugangsdaten abgreift oder Schadsoftware installiert.
Schickt DHL SMS mit Links zur Zahlung von Zollgebühren?
Nein. DHL und andere Paketdienste fordern keine Zollgebühren per SMS-Link. Zollabgaben werden bei der Zustellung, in der Filiale oder per Brief des Zolls abgewickelt. Eine SMS mit „Zollgebühr 1,99 €“ ist immer Betrug.
Ich habe den Link in der SMS geöffnet – ist mein Handy jetzt gehackt?
Durch das bloße Öffnen einer Seite in aller Regel nicht. Gefährlich wird es, wenn Sie Daten eingeben oder eine App außerhalb des offiziellen Stores installieren. Haben Sie nichts eingegeben, schließen Sie die Seite und löschen die SMS.
Kann eine Betrugs-SMS im echten Chatverlauf meiner Bank erscheinen?
Ja. Der Absendername einer SMS lässt sich fälschen (SMS-Spoofing). Das Smartphone sortiert die gefälschte Nachricht dann in den bestehenden Verlauf ein. Ein bekannter Absender ist deshalb kein Beweis für Echtheit – entscheidend bleibt der Link.
Was tun, wenn ich meine Kartendaten eingegeben habe?
Karte sofort über den Sperr-Notruf 116 116 oder in der Banking-App sperren, die Bank informieren, Umsätze kontrollieren und Anzeige erstatten. Unberechtigte Abbuchungen kann die Bank zurückbuchen; melden Sie sie so schnell wie möglich.
Wie kann ich Betrugs-SMS melden?
Melden Sie Rufnummernmissbrauch bei der Bundesnetzagentur, die SMS beim nachgeahmten Anbieter (z. B. DHL oder Ihrer Bank) und beim Phishing-Radar der Verbraucherzentrale. In Ihrem SMS-Programm können Sie den Absender zusätzlich als Spam melden und blockieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Spam, Phishing & Co. – Betrug per E-Mail, SMS und Messenger – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
- Phishing-Radar: Aktuelle Warnungen zu Mails und SMS – Verbraucherzentrale NRW
- Ärger mit Anrufen und SMS: Rufnummernmissbrauch melden – Bundesnetzagentur
- Sperr-Notruf 116 116 – Sperr-Notruf e. V.