
WhatsApp-Betrug: „Hallo Mama, ich habe eine neue Nummer“ und andere Maschen
Die Nachricht kommt von einer unbekannten Nummer, klingt aber wie das eigene Kind: „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer.“ Wenige Nachrichten später geht es um eine dringende Überweisung. So erkennen Sie den WhatsApp-Betrug – und die Varianten, die Ihr Konto übernehmen wollen.
Von der Betrugs-Checker-Redaktion · Aktualisiert:
Das Wichtigste in Kürze
- Die „Hallo Mama/Papa“-Masche beginnt harmlos mit einer neuen Nummer und endet mit der Bitte um eine dringende Überweisung – das angebliche Kind kann angeblich nicht telefonieren.
- Ein Anruf unter der alten, gespeicherten Nummer klärt die Sache in einer Minute.
- Überweisen Sie nie an Konten, deren Inhaber Sie nicht persönlich verifiziert haben – auch nicht bei angeblicher Eile.
- Geben Sie niemals den 6-stelligen WhatsApp-Registrierungscode weiter, auch nicht an Freunde: Damit übernehmen Täter Ihr Konto.
- Bereits überwiesen? Sofort Bank anrufen (Rückruf der Überweisung), Anzeige erstatten, Chat als Beweis sichern.
So läuft die „Hallo Mama“-Masche ab
Der Betrug beginnt mit einer Nachricht von einer unbekannten Mobilnummer. Sie ist so formuliert, dass sie zu jedem Elternteil passt:
„Hallo Mama, mein Handy ist ins Wasser gefallen. Das ist meine neue Nummer, du kannst die alte löschen. Schreib mir kurz zurück, wenn du das siehst ❤️“
Antworten Sie, folgt Small Talk – ein, zwei Nachrichten über den Alltag. Dann kommt der eigentliche Zweck:
„Ich muss heute noch eine Rechnung bezahlen, aber mein Online-Banking geht auf dem neuen Handy noch nicht. Kannst du das für mich überweisen? Ich gebe es dir Montag zurück. Es sind 1.850 €, hier die IBAN … Der Empfänger ist mein Vermieter / die Werkstatt / ein Freund.“
Auf die naheliegende Frage „Kann ich dich kurz anrufen?“ gibt es immer eine Ausrede: kein Mikrofon, in einer Besprechung, Akku fast leer. Wer überweist, bekommt oft direkt die nächste Bitte: Die erste Zahlung sei „nicht durchgegangen“, oder es fehle noch ein zweiter Betrag.
Die Nachrichten werden massenhaft und automatisiert verschickt; die Täter warten einfach, wer antwortet. Weil fast jeder Eltern oder Kinder hat, trifft die Nachricht immer irgendjemanden, der gerade tatsächlich auf ein Lebenszeichen wartet.

Weitere WhatsApp-Maschen, die Sie kennen sollten
Kontoübernahme per Registrierungscode
Ein Kontakt – dessen Konto bereits gekapert wurde – schreibt: „Ich habe dir aus Versehen einen Code geschickt, kannst du ihn mir weiterleiten?“ Der 6-stellige Code ist Ihr WhatsApp-Registrierungscode. Wer ihn weitergibt, verliert den Zugang zum eigenen Konto. Die Täter schreiben dann in Ihrem Namen an alle Kontakte – meist wieder mit einer Geldbitte.
Verwandt: Anrufe oder Chats, in denen Sie eine Tastenkombination mit Sternchen und Raute (zum Beispiel beginnend mit *21* oder *67*) eintippen sollen. Dahinter steckt eine Rufumleitung, über die der Anruf mit dem Verifizierungscode abgefangen wird.
Gefälschte Sprachnachrichten mit KI-Stimme
Statt Text kommt eine Sprachnachricht, die tatsächlich wie die Tochter oder der Sohn klingt. Wenige Sekunden Audio aus sozialen Netzwerken reichen, um eine Stimme zu klonen. Der Inhalt bleibt derselbe: neue Nummer, Notlage, Überweisung. Mehr dazu unter KI-Deepfake-Betrug.
Fake-Support und „WhatsApp-Team“
Nachrichten vom angeblichen „WhatsApp-Support“ fordern eine Verifizierung, sonst werde das Konto gelöscht. WhatsApp kontaktiert Nutzer nicht auf diese Weise. Der Link führt auf eine Phishing-Seite.
Investment-Gruppen und Job-Angebote
Sie werden ungefragt zu einer Gruppe hinzugefügt, in der „Analysten“ Krypto-Tipps geben und Mitglieder angebliche Gewinne posten – alle Beteiligten außer Ihnen sind Täter. Oder Sie bekommen ein „Jobangebot“ für einfache Klick-Aufgaben mit Vorkasse. Hintergründe im Ratgeber Krypto- und Anlagebetrug.
Kleinanzeigen-Käufer, die auf WhatsApp wechseln wollen
„Können wir auf WhatsApp weiterschreiben?“ ist bei Kleinanzeigen fast immer der Auftakt zu einem Betrug mit gefälschten Zahlungsbestätigungen oder Phishing-Links. Ausführlich unter Kleinanzeigen-Betrug.
Enkeltrick per Telefon
Die klassische Variante mit Anruf und Boten beschreibt der Ratgeber Enkeltrick und Schockanruf.
Echt oder Betrug? So prüfen Sie eine „neue Nummer“
| Prüfung | Echtes Kind | Betrüger |
|---|---|---|
| Anruf unter der alten Nummer | erreichbar oder Mailbox mit vertrauter Ansage | „Alte Nummer geht nicht mehr“ – und die alte Nummer ist trotzdem erreichbar |
| Rückruf auf der neuen Nummer | nimmt ab oder ruft zurück | nimmt nicht ab, Ausreden per Text |
| Sprachnachricht anfordern | kein Problem | Ausrede oder eine KI-Stimme mit unnatürlicher Betonung |
| Kontrollfrage (Name des Haustiers, letztes Treffen) | sofort beantwortet | ausweichend, wechselt das Thema |
| Geldbitte | selten, und nie an fremde IBAN | innerhalb weniger Nachrichten, fremdes Konto, Zeitdruck |
Eine einzige dieser Prüfungen genügt. Die zuverlässigste ist der Anruf unter der alten Nummer: Ist das Handy wirklich kaputt, erreichen Sie niemanden – dann warten Sie ab und überweisen nichts, bis Sie die Person tatsächlich gesprochen haben.
Warum die Masche so gut funktioniert
Die Nachricht trifft auf ein Grundbedürfnis: Eltern wollen erreichbar sein, wenn das Kind Hilfe braucht. Der Einstieg ist emotional („Handy kaputt“, Herz-Emoji), das Anliegen alltäglich („Rechnung bezahlen“), der Betrag hoch genug, um sich zu lohnen, aber niedrig genug, um nicht abzuschrecken. Dazu kommt die Ausrede, warum kein Anruf möglich ist – sie nimmt genau die Prüfung aus dem Spiel, die den Betrug sofort auffliegen ließe.
Die Täter setzen zusätzlich auf Tempo. Zwischen „neue Nummer“ und „bitte überweise“ liegen oft nur 20 Minuten. Wer einmal geantwortet hat, fühlt sich im Gespräch verpflichtet. Genau deshalb lautet die wichtigste Regel: Geld nur nach einem echten Gespräch – nie nach Textnachrichten.
Schon überwiesen? Das müssen Sie jetzt tun
- Bank anrufen – sofort. Bitten Sie um einen Rückruf der Überweisung (Recall). Echtzeitüberweisungen sind meist nicht mehr zu stoppen, normale SEPA-Überweisungen manchmal, wenn das Geld noch nicht abgehoben wurde. Jede Minute zählt.
- Empfängerbank informieren. Die IBAN verrät die Bank des Empfängers (Bankleitzahl in Stellen 5–12 einer deutschen IBAN). Ein Hinweis an deren Betrugsabteilung kann das Konto einfrieren.
- Anzeige erstatten. Online-Wache Ihres Bundeslandes oder Polizeidienststelle. Nehmen Sie den Chatverlauf, die IBAN und die Überweisungsbelege mit.
- Chat sichern. Screenshots mit Nummer, Datum und Uhrzeit; Chat exportieren (WhatsApp: Chat-Info → „Chat exportieren“). Anleitung unter Beweise sichern.
- Nummer melden und blockieren. In WhatsApp über Kontaktinfo → „Melden“. Warnen Sie Familie und Bekannte – die Täter probieren es oft mehrfach in derselben Familie.
Haben Sie keinen Cent überwiesen, aber geantwortet? Dann melden und blockieren Sie die Nummer einfach. Es besteht keine weitere Gefahr.
WhatsApp-Konto absichern
- Zweistufige Bestätigung aktivieren: Einstellungen → Konto → Zweistufige Bestätigung. Die selbst gewählte PIN wird bei jeder Neuregistrierung abgefragt – ohne sie können Täter Ihr Konto auch mit dem SMS-Code nicht übernehmen.
- Registrierungscode nie weitergeben. WhatsApp fragt ihn nie per Chat ab, und ein Freund braucht ihn nie.
- Profilbild und Status auf „Meine Kontakte“ beschränken. Täter nutzen öffentliche Profilbilder, um Nachrichten glaubwürdiger zu machen.
- Gruppen-Einladungen einschränken: Einstellungen → Datenschutz → Gruppen → „Meine Kontakte“.
- Unbekannte Anrufer stummschalten (Datenschutz → Anrufe).
- Familien-Codewort vereinbaren – hilft bei Text, Anruf und KI-Stimme gleichermaßen.
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Nachricht echt ist: Text kopieren und in den SMS- und WhatsApp-Check einfügen.
Warnzeichen auf einen Blick
- Nachricht von einer unbekannten Nummer beginnt mit „Hallo Mama“ oder „Hallo Papa“ – ohne Ihren oder den eigenen Namen
- Das angebliche Kind kann angeblich nicht telefonieren (Handy kaputt, kein Mikrofon, in Besprechung)
- Innerhalb weniger Nachrichten geht es um eine dringende Überweisung an eine fremde IBAN
- Rechnung muss „heute noch“ bezahlt werden, Rückzahlung wird für „Montag“ versprochen
- Nach der ersten Überweisung folgt sofort eine zweite Bitte („ist nicht durchgegangen“)
- Sie sollen einen 6-stelligen Code weiterleiten oder eine Tastenkombination wählen
- Sprachnachricht klingt vertraut, aber Betonung oder Wortwahl sind untypisch
- Der „WhatsApp-Support“ verlangt eine Verifizierung über einen Link
- Sie wurden ungefragt einer Gruppe mit Anlage-Tipps oder Job-Angeboten hinzugefügt
- Ein Kleinanzeigen-Kontakt drängt darauf, den Chat auf WhatsApp fortzusetzen
So schützen Sie sich
- Rufen Sie bei einer „neuen Nummer“ immer zuerst die alte, gespeicherte Nummer an
- Überweisen Sie Geld nur nach einem echten Gespräch – nie aufgrund von Textnachrichten
- Aktivieren Sie die zweistufige Bestätigung in WhatsApp und geben Sie nie einen Registrierungscode weiter
- Stellen Sie eine Kontrollfrage, die nur die echte Person beantworten kann, oder nutzen Sie ein Familien-Codewort
- Beschränken Sie Profilbild, Status und Gruppeneinladungen auf Ihre Kontakte
- Speichern Sie neue Nummern von Angehörigen erst nach persönlicher Bestätigung
- Sprechen Sie mit Eltern und Großeltern über die Masche – am besten mit dem Beispieltext aus diesem Ratgeber
- Melden und blockieren Sie verdächtige Nummern direkt in WhatsApp
Betroffen? Das sollten Sie jetzt tun
- Bank sofort anrufen und einen Rückruf der Überweisung beauftragen; Empfängerbank über die IBAN informieren
- Anzeige erstatten – online über die Wache Ihres Bundeslandes, mit Chatverlauf, IBAN und Überweisungsbeleg
- Chat exportieren und Screenshots mit Nummer, Datum und Uhrzeit sichern
- Nummer in WhatsApp melden und blockieren; Familie und Freunde warnen
- Bei weitergegebenem Code: WhatsApp mit Ihrer Nummer neu registrieren und zweistufige Bestätigung aktivieren; Kontakte über die Kontoübernahme informieren
- Bei Kontoübernahme mit Geldbitten in Ihrem Namen: Betroffene informieren und ebenfalls Anzeige erstatten
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Häufige Fragen
Wie erkenne ich die „Hallo Mama“-Masche auf WhatsApp?
Typisch sind eine unbekannte Nummer, die Anrede ohne Namen, eine Erklärung, warum kein Anruf möglich ist, und wenig später eine dringende Überweisungsbitte an eine fremde IBAN. Rufen Sie die alte, gespeicherte Nummer an – das klärt den Fall in einer Minute.
Was soll ich antworten, wenn ich eine „neue Nummer“-Nachricht bekomme?
Am besten gar nichts. Rufen Sie Ihr Kind unter der bekannten Nummer an. Ist es wirklich eine neue Nummer, wird es sich melden. Wenn Sie antworten möchten, stellen Sie eine Frage, die nur die echte Person beantworten kann, und überweisen Sie in keinem Fall Geld.
Ich habe Geld überwiesen – bekomme ich es zurück?
Rufen Sie sofort Ihre Bank an und beauftragen Sie einen Rückruf. Bei normalen Überweisungen gelingt das manchmal, wenn das Geld noch nicht abgehoben wurde; bei Echtzeitüberweisungen selten. Erstatten Sie in jedem Fall Anzeige – auch für eine mögliche Erstattung durch die Bank.
Warum soll ich den WhatsApp-Code nicht weitergeben?
Der 6-stellige Code bestätigt die Registrierung Ihrer Nummer auf einem Gerät. Wer ihn hat, übernimmt Ihr Konto samt Chats und Kontakten und schreibt in Ihrem Namen. WhatsApp fragt den Code nie per Chat ab, und kein Freund braucht ihn.
Kann eine Sprachnachricht mit der Stimme meines Kindes gefälscht sein?
Ja. Mit wenigen Sekunden Audiomaterial aus sozialen Netzwerken lassen sich Stimmen klonen. Verlassen Sie sich nicht auf den Klang, sondern auf einen Rückruf unter der bekannten Nummer oder ein Familien-Codewort.
Wie melde ich WhatsApp-Betrug?
In WhatsApp über die Kontaktinfo der Nummer → „Melden“ und „Blockieren“. Bei einem finanziellen Schaden erstatten Sie zusätzlich Anzeige bei der Polizei, am einfachsten über die Online-Wache Ihres Bundeslandes.
Quellen und weiterführende Informationen
- Betrug über Messenger-Dienste – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Enkeltrick – Erkennen und richtig reagieren – Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
- Mobilfunk und Festnetz: Abzocke und Betrug – Verbraucherzentrale
- Online-Wachen der Polizei – Anzeige online erstatten – Polizei