Phishing-Link geklickt – was jetzt? Der Notfallplan für Handy und PC

Phishing-Link geklickt – was jetzt? Der Notfallplan für Handy und PC

Ein Klick auf den falschen Link passiert schnell – entscheidend ist, was danach kommt. Dieser Notfallplan sagt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie tun müssen, je nachdem, ob Sie nur geklickt, Daten eingegeben, einen Anhang geöffnet oder eine App installiert haben.

Von der Betrugs-Checker-Redaktion · Aktualisiert:

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur geklickt, nichts eingegeben, nichts installiert: In aller Regel ist nichts passiert. Seite schließen, Nachricht löschen, beobachten.
  • Passwort eingegeben: sofort beim echten Anbieter ändern, Zwei-Faktor aktivieren, alle Sitzungen beenden, dasselbe Passwort überall sonst ändern.
  • Bank- oder Kartendaten eingegeben: Karte über 116 116 sperren, Bank anrufen, Umsätze beobachten, Anzeige erstatten – und keine TAN auf Zuruf freigeben.
  • Anhang geöffnet oder App installiert: Gerät vom Netz trennen, Schadsoftware entfernen oder Gerät neu aufsetzen, Passwörter von einem anderen Gerät ändern.
  • Erwarten Sie Folgekontakte: Anrufe der „Bank“, Rückerstattungs-Mails, „Sicherheitsabteilung“ – das ist die zweite Stufe derselben Masche.

Erst einordnen: Was genau ist passiert?

Der richtige Plan hängt von vier Fragen ab. Beantworten Sie sie ehrlich – niemand wird dafür verurteilt, auf eine gut gemachte Fälschung geklickt zu haben.

  1. Habe ich nur die Seite geöffnet? – Dann folgen Sie Abschnitt „Nur geklickt“.
  2. Habe ich etwas eingegeben? Passwort, Bankzugang, Kartendaten, Ausweisfoto, Adresse? – Abschnitt „Daten eingegeben“, unterteilt nach Datenart.
  3. Habe ich einen Anhang geöffnet oder eine Datei/App installiert? – Abschnitt „Anhang oder App“.
  4. Habe ich etwas bezahlt oder eine Freigabe erteilt? – Abschnitt „Gezahlt oder freigegeben“.

Bewahren Sie die Nachricht auf, aus der der Link kam – sie ist Ihr Beweis (Beweise sichern). Und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen: Die Täter rechnen damit, dass Sie in Panik weiterklicken oder auf den nächsten Anruf reagieren. Wie Sie Phishing beim nächsten Mal vorher erkennen, steht im Ratgeber Phishing-Mails erkennen.

Nur geklickt: Seite geöffnet, nichts eingegeben

Gute Nachricht: Auf aktuellen Smartphones und Computern passiert durch das bloße Aufrufen einer Website in aller Regel nichts. Browser und Betriebssysteme verhindern, dass eine Seite ohne Ihr Zutun Programme installiert. Was Sie trotzdem tun sollten:

  1. Seite schließen, keine Downloads ausführen, keine Berechtigungen erteilen, kein „Benachrichtigungen zulassen“.
  2. Nachricht als Spam melden und löschen – bei E-Mails über die Melden-Funktion, bei SMS über „Spam melden“.
  3. Browser prüfen: Unter Einstellungen → Benachrichtigungen unbekannte Seiten entfernen; ungewollte Erweiterungen deinstallieren.
  4. Virenscan mit der vorhandenen Sicherheitssoftware (Windows-Sicherheit reicht) – zur Sicherheit, nicht weil ein Klick allein infiziert.
  5. Beobachten: Kommen in den nächsten Tagen Anrufe, Mails oder SMS, die sich auf den Klick beziehen („Wir haben verdächtige Aktivität festgestellt“)? Das bestätigt, dass Ihre Adresse als aktiv registriert wurde – reagieren Sie nicht darauf.

Ein Sonderfall sind stark veraltete Geräte ohne Sicherheitsupdates: Dort können präparierte Seiten Lücken ausnutzen. Wenn Ihr Gerät seit Jahren keine Updates mehr bekommt, lassen Sie es prüfen oder ersetzen Sie es.

Daten eingegeben: Passwort, Bank, Karte, Ausweis

Passwort oder Zugangsdaten (E-Mail, Amazon, PayPal, Social Media, Microsoft)

  1. Passwort sofort ändern – über die App oder die selbst eingetippte Adresse des echten Anbieters, nie über einen Link.
  2. Zwei-Faktor-Authentisierung aktivieren oder neu einrichten (Anleitung).
  3. Alle Sitzungen beenden („Von allen Geräten abmelden“) und Wiederherstellungsadresse, Telefonnummer und verknüpfte Geräte auf fremde Einträge prüfen.
  4. Dasselbe Passwort überall sonst ändern. Täter probieren erbeutete Zugangsdaten automatisch bei Dutzenden Diensten.
  5. E-Mail-Konto zuerst, falls es betroffen ist: Weiterleitungsregeln und Filter kontrollieren – sie sind das Lieblingsversteck der Täter. Details unter Konto gehackt?.

Online-Banking-Zugang

  1. Bank anrufen (Nummer von der Karte oder Website) und den Zugang sperren lassen; neue Zugangsdaten anfordern.
  2. Keine TAN, keine App-Freigabe auf Zuruf – der Anruf der „Sicherheitsabteilung“, der jetzt kommt, ist Teil des Betrugs.
  3. Umsätze prüfen, nicht autorisierte Buchungen sofort schriftlich reklamieren.
  4. Anzeige erstatten – die Bank verlangt die Vorgangsnummer für Erstattungen. Was die Bank erstatten muss, lesen Sie unter Geld zurück nach Betrug.

Kartendaten (Nummer, Ablaufdatum, Prüfziffer)

  1. Karte sperren: Sperr-Notruf 116 116 oder in der Banking-App – rund um die Uhr.
  2. Bank informieren und um eine neue Karte bitten.
  3. Umsätze in den nächsten Wochen kontrollieren, auch kleine Testbuchungen und Registrierungen in Apple Pay oder Google Pay.
  4. Anzeige erstatten und unberechtigte Umsätze reklamieren.

Ausweisdaten, Ausweisfoto, Adresse, Geburtsdatum

  1. Anzeige erstatten – Grundlage für alles Weitere.
  2. Schufa-Datenkopie und Betrugswarnung beantragen; auch bei CRIF, Boniversum, infoscore.
  3. Post beobachten: Mahnungen, Verträge, Pakete, die Sie nie bestellt haben.
  4. Bürgeramt informieren, wenn der Ausweis selbst missbraucht werden könnte. Ausführlich unter Identitätsdiebstahl.

Anhang geöffnet oder App installiert

Hier ist das Gerät selbst betroffen – Passwortänderungen auf demselben Gerät bringen nichts, solange Schadsoftware mitliest.

Windows und Mac

  1. Netzverbindung trennen (WLAN aus, Kabel ziehen).
  2. Nicht weiterklicken: Keine Makros aktivieren, keine „Inhalte aktivieren“-Aufforderungen bestätigen, keine Passworteingaben.
  3. Vollständigen Virenscan mit aktueller Sicherheitssoftware ausführen (Windows-Sicherheit, Offline-Scan; am Mac z. B. mit einem Scanner Ihrer Wahl).
  4. Bei Fund oder Zweifel: Gerät neu aufsetzen. Wichtige Dateien vorher sichern – keine Programme.
  5. Passwörter von einem anderen, sauberen Gerät ändern – E-Mail zuerst, dann Bank, Zahlungsdienste, Social Media.
  6. Bank informieren, wenn das Gerät für Online-Banking genutzt wurde.
  7. Fernwartungssoftware (AnyDesk, TeamViewer, UltraViewer), die Sie nicht selbst brauchen, deinstallieren – Details unter Tech-Support-Betrug.

Android

  1. Flugmodus einschalten, damit eine Schad-App keine SMS verschicken oder Codes weiterleiten kann.
  2. App deinstallieren: Einstellungen → Apps → die zuletzt installierte App entfernen; im abgesicherten Modus, falls sie sich wehrt.
  3. Bei Zweifel: Werkseinstellungen. Vorher Fotos und Kontakte sichern.
  4. Mobilfunkanbieter informieren (verschickte SMS können Kosten verursachen) und Kontakte warnen.
  5. Passwörter von einem anderen Gerät ändern, Zwei-Faktor neu einrichten.

iPhone

Apps außerhalb des App Stores lassen sich auf iPhones kaum installieren. Wurde ein Konfigurationsprofil installiert (Einstellungen → Allgemein → VPN & Geräteverwaltung), entfernen Sie es. Prüfen Sie zusätzlich unter Einstellungen → Apple-ID → Geräte, ob fremde Geräte verknüpft sind.

Im Unternehmen

Sofort die IT-Abteilung informieren – auch wenn es peinlich ist. Ein kompromittiertes Firmenpostfach ist der Ausgangspunkt für Rechnungsbetrug und CEO-Fraud (IBAN-Manipulation). Je schneller die Meldung, desto kleiner der Schaden.

Gezahlt oder eine Freigabe erteilt

  • Überweisung ausgelöst oder bestätigt: Bank anrufen, Rückruf beauftragen, Empfängerbank informieren – Details und Fristen unter Geld zurück nach Betrug.
  • Kleinstbetrag per Karte gezahlt („Zollgebühr 1,99 €“): Der Betrag ist unwichtig – Ihre Kartendaten sind jetzt bei den Tätern. Karte sperren.
  • Abo abgeschlossen (Gewinnspiel, „Testphase“): Lastschriften zurückbuchen, schriftlich widerrufen – siehe Gewinnversprechen.
  • TAN oder Push-Freigabe erteilt: Bank sofort anrufen; prüfen Sie, welche Transaktion damit freigegeben wurde. Ab jetzt: keine Freigabe auf Zuruf.
  • Fernzugriff gewährt: Netz trennen, Software entfernen, Bank informieren, Passwörter von anderem Gerät ändern.

Die zweite Stufe: Was in den Tagen danach kommt

Nach einem erfolgreichen Klick stehen Sie auf einer Liste. Rechnen Sie mit diesen Kontakten – und ignorieren Sie sie alle:

„Hier ist die Sicherheitsabteilung Ihrer Bank. Wir haben gesehen, dass Sie auf eine Phishing-Seite geraten sind. Um Ihr Konto zu schützen, brauchen wir jetzt eine Bestätigung per pushTAN.“

  • Der Anruf der „Bank“ mit gefälschter Rufnummer – will die TAN, die die Überweisung der Täter freigibt.
  • Die „Rückerstattungs“-Mail – Formular für Kartendaten.
  • Der „Microsoft-Support“ – bietet an, das „infizierte Gerät zu bereinigen“, per Fernzugriff.
  • Die „Polizei“ oder „Europol“ – ermittelt angeblich in Ihrem Fall und braucht Daten oder Geld.
  • Der „Rückholdienst“ – holt Ihr Geld gegen Vorkasse zurück.

Ihre einzigen legitimen Ansprechpartner sind Ihre Bank über die bekannte Nummer, die Polizei über die Online-Wache und die Verbraucherzentrale. Alle Anlaufstellen: Betrug melden.

Checkliste zum Abhaken

  1. Nachricht und Screenshots gesichert
  2. Seite geschlossen, nichts weiter geklickt, nichts installiert
  3. Betroffene Passwörter beim echten Anbieter geändert, Zwei-Faktor aktiviert, Sitzungen beendet
  4. E-Mail-Konto auf Weiterleitungsregeln und fremde Geräte geprüft
  5. Bank angerufen, Zugang/Karte gesperrt (116 116), Umsätze kontrolliert
  6. Gerät gescannt bzw. neu aufgesetzt, wenn Anhang/App im Spiel war
  7. Anzeige erstattet, Vorgangsnummer notiert
  8. Phishing gemeldet (phishing@verbraucherzentrale.nrw, nachgeahmter Anbieter)
  9. Bei Ausweisdaten: Schufa-Betrugswarnung beantragt
  10. Auf Folgekontakte vorbereitet – keine TAN, keine Freigabe, keine Vorkasse

Unsicher, ob eine Nachricht, die Sie danach erhalten, echt ist? Prüfen Sie sie im E-Mail-Check oder SMS-Check, bevor Sie reagieren.

Warnzeichen auf einen Blick

  • Nach dem Klick ruft die „Sicherheitsabteilung“ an und verlangt eine TAN oder App-Freigabe
  • Eine „Rückerstattung“ wird angeboten – gegen Eingabe von Kartendaten
  • Anmeldewarnungen von unbekannten Geräten oder Orten erscheinen
  • Passwort funktioniert plötzlich nicht mehr oder Wiederherstellungsdaten wurden geändert
  • Kleine Testbuchungen oder unbekannte Registrierungen in Wallets
  • Kontakte erhalten Nachrichten von Ihrem Konto
  • Handy verschickt SMS, die Sie nicht geschrieben haben, oder der Akku leert sich ungewöhnlich schnell
  • Ein „Support“ will per Fernzugriff das „infizierte Gerät bereinigen“

So schützen Sie sich

  • Loggen Sie sich grundsätzlich nur über App oder selbst eingetippte Adresse ein – nie über Links aus Nachrichten
  • Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentisierung für E-Mail, Bank, Zahlungsdienste und Shopping-Konten, bevor etwas passiert
  • Nutzen Sie für jeden Dienst ein eigenes Passwort – dann bleibt ein Leak auf ein Konto begrenzt
  • Halten Sie Betriebssystem, Browser und Apps aktuell; veraltete Geräte sind die Ausnahme, bei der ein Klick allein gefährlich ist
  • Installieren Sie Apps nur aus App Store und Google Play; öffnen Sie keine unerwarteten Anhänge
  • Geben Sie niemals TANs oder Freigaben auf Zuruf eines Anrufers
  • Speichern Sie die Nummern 116 116 und die Betrugs-Hotline Ihrer Bank im Telefon
  • Prüfen Sie verdächtige Nachrichten vor dem Klick im E-Mail- oder SMS-Check

Betroffen? Das sollten Sie jetzt tun

  1. Einordnen: nur geklickt, Daten eingegeben, Anhang/App geöffnet oder gezahlt?
  2. Passwörter beim echten Anbieter ändern, Zwei-Faktor aktivieren, Sitzungen beenden, E-Mail-Konto auf Weiterleitungen prüfen
  3. Bei Bank- oder Kartendaten: Karte über 116 116 sperren, Bank anrufen, Umsätze prüfen, keine TAN auf Zuruf
  4. Bei Anhang oder App: Netz trennen, Schadsoftware entfernen oder Gerät neu aufsetzen, Passwörter von anderem Gerät ändern
  5. Nachricht sichern, Anzeige erstatten, Phishing beim Anbieter und Phishing-Radar melden
  6. Folgekontakte ignorieren – Bank nur über die bekannte Nummer kontaktieren

Verwandte Ratgeber

Aktuelle Warnungen zum Thema

Häufige Fragen

Ich habe nur auf den Link geklickt – ist mein Gerät jetzt gehackt?

Auf aktuellen Geräten in aller Regel nicht. Das Öffnen einer Seite allein installiert nichts. Schließen Sie die Seite, geben Sie nichts ein, installieren Sie nichts und löschen Sie die Nachricht. Nur stark veraltete Geräte ohne Updates sind eine Ausnahme.

Ich habe mein Passwort auf der Phishing-Seite eingegeben – was zuerst?

Sofort das Passwort beim echten Anbieter ändern (App oder selbst eingetippte Adresse), Zwei-Faktor aktivieren, alle Sitzungen beenden und Wiederherstellungsdaten prüfen. Ändern Sie dasselbe Passwort auch überall sonst – und sichern Sie Ihr E-Mail-Konto zuerst.

Ich habe Kartendaten eingegeben, aber nur 1,99 € gezahlt – reicht es, das zu beobachten?

Nein. Der kleine Betrag war nur der Vorwand, Ihre vollständigen Kartendaten zu erfassen. Sperren Sie die Karte über 116 116, informieren Sie Ihre Bank, kontrollieren Sie die Umsätze und erstatten Sie Anzeige.

Was tun, wenn ich einen Anhang geöffnet habe?

Gerät vom Netz trennen, keine Makros oder Inhalte aktivieren, vollständigen Virenscan durchführen und bei Fund oder Zweifel das System neu aufsetzen. Ändern Sie danach alle wichtigen Passwörter von einem anderen, sauberen Gerät und informieren Sie Ihre Bank, wenn das Gerät für Online-Banking genutzt wurde.

Meine Bank ruft an und will eine TAN, um den Betrug zu stoppen – soll ich sie nennen?

Nein, niemals. Banken verlangen keine TANs am Telefon. Der Anruf ist die zweite Stufe des Betrugs; die TAN würde die Überweisung der Täter freigeben. Legen Sie auf und rufen Sie Ihre Bank über die Nummer auf der Karte an.

Muss ich Anzeige erstatten, wenn kein Schaden entstanden ist?

Bei reinem Klick ohne Dateneingabe reicht eine Meldung an den Phishing-Radar der Verbraucherzentrale. Sobald Daten abgeflossen sind oder Geld bewegt wurde, erstatten Sie Anzeige – die Vorgangsnummer brauchen Sie für Bank, Schufa und Händler.

Quellen und weiterführende Informationen